Küchengarten: Langlebiges Staudengemüse

Einleitung

Juni 2020 Die meisten Gemüse müssen jedes Jahr neu gesät oder gepflanzt werden. Aber es lohnt sich, den Blick auf Arten zu richten, die viele Jahre im Garten überdauern und jede Saison aufs neue üppige Ernten bringen.

Vielseitig: Rhabarber nach oben

Rhabarber kommt jedes Jahr wieder. Die Sorte 'Livingstone' eignet sich sogar für die Ernte im Sommer.

Das wohl bekannteste Dauergemüse ist der Rhabarber. Auch wenn er weitläufig gern zum Obst gruppiert wird – botanisch zählt er zu den Gemüsen. Die robuste Staude kann gut acht bis zehn Jahre am gleichen Platz durchhalten. Sie treibt im Frühjahr lange, fleischige, rote Stängel aus, die mit großen, dunkelgrünen Blättern besetzt sind. Geerntet werden die Stiele. Drehen Sie sie am besten vorsichtig am Stielansatz heraus. Damit sich die Pflanze nicht erschöpft, sollten Sie immer nur nach und nach einige ernten und nicht alle auf einmal. Nach ein paar Tagen treibt die wüchsige Staude wieder neue Stiele aus, sodass Sie wochenlang frischen Rhabarber genießen können. Zum Verzehr eignet sich nur der gehäutete Stiel – besonders lecker als Kompott, Marmelade, Saft oder in süßem Kuchen.

Die Blätter sind giftig und dürfen nicht verzehrt werden. Großflächig im Beet ausgelegt, eignen sie sich aber hervorragend zum Mulchen. Die Erntezeit für Rhabarber endet normalerweise am St.-Johanni-Tag (24. Juni), damit die Pflanzen wieder Kraft schöpfen können. Geben Sie ihnen dann eine Düngergabe (pro Quadratmeter 50 g mineralischen Volldünger oder 100 g Horngrieß oder -mehl). Auch steigt bei den meisten Sorten der Gehalt von Oxalsäure zum Sommer an und die Stängel könnten ungenießbar werden. Es gibt neue Sorten wie ‘Livingstone’ oder ‘Sanvitos®Summer’, die den ganzen Sommer über Ernten liefern, weil sie nur wenig Oxalsäure bilden und kleinere, aber dafür viele Stiele bilden. Rhabarber liebt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und einen tiefgründigen, humosen Boden. Für einen normalen Hausgarten reichen zwei bis drei der großen Pflanzen aus.

Leckerer Spargel nach oben

Lecker: Grünspargel aus dem eigenen Garten

Ebenfalls sehr langlebig ist Spargel. Gut zehn bis zwölf Jahre kann das Feinschmeckergemüse im Beet verbleiben. Die langen, delikaten Stangen sprießen ab April aus dem Boden und werden wie Rhabarber bis zum 24. Juni geerntet. Danach lässt man die Pflanzen wachsen, damit sie Kraft für die kommende Saison schöpfen. Für den Hausgarten eignet sich Grünspargel besser als Bleichspargel, denn um den besonders feinaromatischen weißen Spargel zu erhalten, müssen die Pflanzen im zeitigen Frühjahr in hohen Dämmen angehäufelt werden. Sobald die Triebspitze den Boden durchbricht und die Pflanzenteile dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, färben sie sich grün. Bei feinwürzigen Grünspargelsorten entfällt das Anhäufeln. Schneiden Sie die Stangen auf Bodennähe ab, sobald sie etwa 20 bis 30 cm Höhe erreicht haben. Oft reicht es, sie nur am Ansatz zu schälen. Gekocht, gebraten oder gegrillt, mit feiner Buttersauce oder Sauce Hollandaise serviert – für Fans gibt es kaum etwas Besseres.

Wer Spargel pflanzt, braucht Geduld. Denn erst im dritten Standjahr sind die Pflanzen so kräftig, dass die Ernte beginnen kann. Etwa zehn Pflanzen in Reihe gesetzt reichen für eine wöchentliche Mahlzeit aus. Spargel liebt einen durchlässigen Boden und einen sonnigen Standort. Reichern Sie den Boden nach der Erntezeit mit Stallmist oder reifem Kompost an. Im Herbst, wenn sich die oberirdischen Triebe gelb färben, schneiden Sie sie bis zum Boden herunter.

Delikatesse: Artischocken nach oben

Nicht nur in Frankreich gelten die zu den Distelgewächsen zählenden Artischocken als Feinschmeckergemüse. Dabei ist die Ausbeute gering, denn nur der Blütenboden der Knospe und der Ansatz der Hüllblättchen sind genießbar. Ein kulinarisches Erlebnis sind die Knospen, gedünstet mit Sauce Hollandaise serviert oder zusammen mit mediterranen Kräutern in Öl eingelegt. Sobald sich die großen Knospen öffnen, ist es für den Verzehr zu spät. Doch dann finden sich zahlreiche Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Schwebfliegen auf den hübschen blauen Blüten ein, um sich an Pollen und Nektar zu laben. Die Blüten schmücken ab August bis in den Oktober hinein die bis zu 1,50 m hohen, stattlichen Pflanzen. Sie passen daher auch sehr gut als Stauden in den Ziergarten.

Reif für die Ernte: die noch geschlossenen Blütenknospen der Artischocken
Artischocken erfreuen mit dekorativen Blütenständen.

Artischocken halten an ihrem Standort vier bis fünf Jahre aus, wenn sie die richtigen Bedingungen vorfinden: Der Boden sollte durchlässig sein, damit im Winter keine Staunässe auftritt. Notfalls gibt man ins Pflanzloch Sand oder Kiesel. Für den Winter benötigen die nur bedingt winterharten Pflanzen einen guten Schutz. Schneiden Sie Ende Oktober/Anfang November die Pflanzen handhoch ab und stülpen Sie einen mit Laub gefüllten Eimer oder Tontopf darüber. Häufen Sie rundherum eine dicke Laubschicht an oder lockeren Kompost. Ab Mitte April können Sie alles wieder entfernen.

Den ganzen Sommer ernten: Sauerampfer nach oben

Die Blätter des Blut-Ampfer 'Bloody Dock' schmecken mild-säuerlich und sehen zudem noch hübsch aus.

Garten-Sauerampfer (Rumex acetosa) ist ein Knöterichgewächs und bei uns heimisch. Wegen seines sauren Geschmacks zählte es früher zu den weit verbreiteten Suppenkräutern. Die robusten Pflanzen entwickeln Blattschöpfe, die man vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst mehrfach abschneiden oder von denen man junge Blätter abzupfen kann, sofern die Herzblätter geschont werden. Heute werden die angenehm säuerlich schmeckenden Blätter eher als Würze für Salate genutzt, wie Spinat gekocht und für sämige Suppen verwendet.

Sauerampfer gedeiht selbst im Halbschatten und Schatten auf allen nicht zu trockenen Böden. Er kann drei bis fünf Jahre an einem Standort verbleiben. Dann sollten Sie ihn teilen und umsetzen. Setzen Sie die Jungpflanzen direkt ins Beet oder säen Sie im März/April oder im August den feinen Samen in Rillen aus. Das empfiehlt sich besonders für Einfassungen im Kräutergarten.

Ebenso werden gern weitere Sauerampfer-Arten für den Gemüsegarten genutzt:

Der Römische Ampfer (Rumex scutatus) ist eine alte Kulturpflanze mit schildförmigen Blättern und intensivem Geschmack. Als dekoratives Trendkraut passt der Blut-Ampfer (Rumex sanguineus) gut ins Hochbeet oder sogar in den Ziergarten. Er gefällt durch seinen zierlichen Wuchs und intensiv gefärbte rote Blattadern. Zudem schmecken seine Blätter milder als die des Garten-Sauerampfers und werden daher besser vertragen.

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